Die Angst vor der eigenen Entscheidung

Oktober 31, 2016

„Sag mir, was ich tun soll und ich werde es machen“. So, oder so ähnlich, klingt einer der gefährlichsten Sätze, die ein Mensch jemals aussprechen kann. Es geht dabei um die Abgabe der Verantwortung an einen anderen Menschen. Jemand anderes soll für uns bestimmen, was das Richtige in einer Situation ist. Und wenn er das nicht tut, dann sind wir eingeschnappt, werfen ihm „unterlassene Hilfeleistung“ vor oder noch schlimmer – verstoßen ihn. Doch die große Frage bleibt: Warum geben wir so gerne und schnell die eigene Verantwortung ab?

Ich habe es gerade am eigenen Leibe erfahren dürfen. Unter dem wundervoll klingenden Namen „Dance Your Life“ habe ich eine kostenlose Online-Konferenz zu den wundervollen Themen „Lebensfreude, Selbstbestimmung und Freiheit“ veranstaltet. Ich habe viele großartige Experten zu diesen Themen interviewt. Aus jedem dieser Interviews bin ich jedoch nicht nur mit einem fertigen Video herausgegangen, sondern auch mit vielen Erkenntnissen, Inspirationen und Reflektionspunkten für mein eigenes Leben. Allein für diese Erfahrung war diese Konferenz schon jede Mühe wert!

Was sich in allen Interviews wie ein roter Faden durchzog, war das Thema (Eigen-) Verantwortung. Ich merkte schon schnell, dass das auch ein Thema ist, das noch in meinem Leben eine große Rolle spielt. In deinem Leben nicht? Dann stell dir mal folgende Fragen:

  • Was waren die letzten 3 Dinge über die ich mich wirklich geärgert habe?
  • Wer war der Auslöser dieses Ärgers?
  • War das WIRKLICH der Auslöser?

Zu oft geben wir schnell den „äußeren Umständen“ die Schuld für unsere missliche Lage oder unseren Frust. Was damit jedoch passiert ist, das wir die Verantwortung und vor allem die Macht über unser Leben in die Hände von Umständen legen, die wir nicht kontrollieren können. Das Resultat ist – du wirst es schon ahnen – Machtlosigkeit, Frustration und Trauer. Möchtest du stattdessen nicht auch viel lieber sagen können, dass es DEIN Fehler war, dass diese Situation so passiert ist und du beim nächsten Mal anders reagieren wirst um die Situation anders enden zu lassen? Klingt schon viel mehr nach Macht und Power, oder?

Lass mich dir ein Beispiel geben:

Du kommst morgens in´s Büro, in das du eh schon immer mit einem schlechten Gefühl gehst, denn dein Chef kann manchmal unausstehlich sein. Voller Hoffnung, dass der Tag glimpflich verläuft, setzt du dich an deinen Schreibtisch und arbeitest. Jedes Mal wenn der Chef vorbeigeht, zuckst du schon zusammen in Vorbereitung auf den nächsten Anpfiff. Und dann kommt es, wie es kommen muss: Deinem Chef missfällt etwas, er kommt zu dir und lässt seinen Frust über dir aus.

Keine schöne Situation! Nun kannst du nach Hause gehen und dich tierisch über deinen Chef aufregen und ihn zum Grund machen, weshalb du schon jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehst. Doch weißt du, wer die größere Schuld hast: DU! Du hast den Chef doch gewähren lassen anstatt ihm Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass er vernünftig mit dir spricht. Du hast ihn nicht mit seiner negativen Ausstrahlung und seiner Angstmache konfrontiert und gebeten vernünftig, ruhig und sachlich mit dir zu sprechen. Siehst du worauf ich hinaus möchte?

Zu oft sind wir selbst der Anlass, weshalb Menschen mit uns so umgehen, wie sie es tun – weil wir es eben zulassen.

Alles beginnt mit einer Entscheidung

Weißt du welche zwei Worte in dem Wort „Entscheidung“ stecken? Es sind „Ende“ und „Scheidung“. Jede Entscheidung, die wir treffen ist somit auch das Ende der Scheidung zwischen uns und … Ja was genau denn überhaupt? Natürlich zwischen uns und dem richtigen Weg in voller Verantwortung. Doch weil wir oftmals so viel Angst vor den Konsequenzen unserer Handlungen haben, versuchen wir die Entscheidung heraus zu zögern, abzuwenden oder an andere abzugeben. Und womit fließt dann die Macht hin? Nach außen! Wer ist damit entmachtet? Wir! Ganz genau.

Lass mich dir noch ein Beispiel geben von meiner Konferenz

Ich hatte einen Experten dabei, der aufgrund seiner Meinung sehr polarisierend wirkt. Alles was ich mit seinem Beitrag machen wollte war, den Menschen einen Denkimpuls zu geben. Ich weiß, dass nicht jeder dasselbe aus den Interviews mitnimmt und auch nicht alles für jeden passt, doch die Interviews sollten dazu anregen sich mit den Themen auseinander zu setzen und sich zu hinterfragen. Leider war es so, dass viele Teilnehmer sich gegen die Ausstrahlung des Interviews aussprachen – aus verschiedensten Gründen. Ich gab nach und entfernte das Video. Nachdem ich jedoch intensiv darüber nachgedacht habe, entschloss ich mich das Video dennoch zu Ansicht frei zu geben. Wieso?!

Jeder hat sein Schicksal in der eigenen Hand

Mit ihrem Protest gegen das Video haben die Teilnehmer sich dazu entschieden (!!!), dass sie weder mit dem Experten noch mit dem Thema im Einklang sind und beidem keinen Raum in ihrem Leben geben wollen. Das ist absolut ok! Ich war auch nicht zu 100% im Einklang mit dem Experten und all seinen Ansichten, aber seine Botschaft war mir dennoch eine wichtige und deshalb habe ich beides differenziert betrachtet. Was die Teilnehmer jedoch versuchten, war mir die Entscheidung zu übergeben und sich selbst damit zu erleichtern. Die Macht lag bei mir und sie könnten mir die Schuld geben, wenn sie es nun doch anschauen müssten.

Ich habe das Video dennoch zur Verfügung gestellt, denn ich wollte die Leute in ihre eigene Macht zurückbringen und das mit folgenden Gedanken:

  • Wenn sie das Video wirklich nicht sehen wollen, dann können sie den Newsletter mit dem Link einfach löschen
  • Wenn sie das Video wirklich nicht sehen wollen, aber den Newsletter gelesen haben, brauchen sie ja nicht den Link zu klicken
  • Wenn sie das Video dennoch anschauen und feststellen, dass ihnen die Meinung nicht gefällt, können sie jederzeit abschalten
  • Wenn sie das Video anschauen und feststellen, dass ihnen die positive Meinung zu Thema X gefällt, der Experte jedoch nicht weil er auch Thema Y propagiert, dann können sie ja auch nur die für sich positiven Aspekte mitnehmen ohne ihn für das andere Thema ebenfalls vergöttern zu müssen

Du siehst, ich habe die Entscheidung für ihr Leben bei jedem einzelnen Teilnehmer gelassen. Doch warum wollten sie, dass ich das Video gar nicht erst sende?!

Nicht mein Zirkus – nicht meine Affen!

Wir müssen in unserem hektischen Alltag eine Vielzahl an Entscheidungen treffen. Leider kann unser Gehirn nur eine bestimmte Anzahl an wichtigen Entscheidungen treffen, bevor jede weitere Entscheidung zur Qual wird, weil wir versuchen alle Konsequenzen und Eventualitäten zu bedenken. Mit einem Protest gegen das Video, haben die Teilnehmer also nur Selbstschutz betrieben aus zweierlei Gründen:

  1. Sie wollten nicht mit dem Thema in Berührung kommen, weil es ein Thema ist, dass bei ihnen etwas auslöst – was sie vielleicht bisher verdrängt haben
  2. Sie wollten vermeiden, dass sie sich der Entscheidung aussetzen müssen ob sie es nun doch gucken oder nicht, ob sie es für wahr oder unwahr halten, etc.

Zum ersten muss ich sagen, dass das eine weit verbreitete „Krankheit“ ist, dass wir uns den Themen, die etwas Positives/Negatives in uns auslösen – Ausdruck dafür, dass wir uns diesem oft verdrängten Thema Beachtung schenken sollten – nicht weiter widmen möchten. Das „Thema“ der Teilnehmer wurde damit zu „meinem Thema“. Ich erinnerte mich jedoch an den Satz: „Nicht mein Zirkus – nicht meine Affen“. Er drückt so wundervoll simpel aus, dass das Problem unseres Gegenübers seins ist und deshalb nicht unser tun beeinträchtigen sollte. Wichtig: sollte die Freiheit von anderen damit eingeschränkt werden oder Personen dadurch verletzt werden, ist natürlich auch hier eine Schranke!

Was die Entscheidung angeht, so habe ich dieses jedem Einzelnen überlassen und ihn damit auf einfache Art und Weise in seine Entscheidungsfindung gebracht, die spätestens dann eintrat, als die Email in seinem Postfach eintraf 😉

Und die Moral von der Geschicht

Jede Situation in unserem Leben, erfordert eine Entscheidung. Ein Irrglaube unserer heutigen Gesellschaft ist, dass wir bis zum bitteren Ende an einer Entscheidung festhalten müssen, da es sonst Schwäche zeigt. Doch ganz ehrlich, zeugt es nicht von wirklicher Stärke eine Entscheidung zu widerrufen – wenn ich merke, dass sie falsch war – statt blindlings in mein Verderben zu rennen?

Außerdem ist es zu jeder Zeit wichtig, dass wir unsere Macht bei uns behalten. Wir alleine haben die Macht über unser Leben. Wir haben das Ruder unseres Lebensschiffes selbst in der Hand und entscheiden wohin wir segeln. Lass nicht andere entscheiden wohin die Reise geht und dich selbst mitschleppen, sondern sag wo es lang geht. Wenn du nach Berlin willst, dann fahr nach Berlin willst und frage nicht andere danach, wo du jetzt hinfahren sollst (nur mal so als Beispiel ^^).

Mach der Scheidung zu dir, zu deinen Träumen, ein Ende und ENT-SCHEIDE mit dem vollem Bewusstsein, dass du die Verantwortung für deine Umstände hast. Und wenn es dir nicht gefällt, kehre um und entscheide dich für die neue Richtung – die Richtung deines Seelenkompasses!

 

In machtvoller Verehrung vor deiner inneren Macht

Dein Alex

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2 Kommentare

  • Reply Peter November 4, 2016 at 10:37 am

    👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍

  • Reply Grit November 4, 2016 at 2:08 pm

    Lieber Alex, schönes und ehrliches statement, dass ich so auch unterschreiben könnte -danke! Ich finde es mutig und wichtig, dass du die Auseinandersetzung (mit dir selbst und anderen) um dieses Video veröffentlichst. Es zeigt, dass wir wohl alle noch Themen in uns haben, die mit Angst verbunden sind — egal, wie weit wir auf unserem Weg der Selbsterkenntnis gekommen sind. Ich habe mir das Video angeschaut und fühlte mich an einigen Stellen unangenehm berührt oder spürte sogar heftigen Widerstand. Anderes im Interview kannte ich bereits und würde dem auch zustimmen.
    Anderen zu sagen, was geht oder was nicht geht, ist Entmündigung (auch eine Form von Gewalt) und sagt: du darfst nicht selbst entscheiden, weil… Ja warum eigentlich? Du hast 2 Gründe dafür aufgezeigt. Projektion spielt da eine große Rolle.
    Herzliche Grüße,
    Grit

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